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Bewerbungsschreiben: 5 Tipps und 5 No-Gos, die du unbedingt beachten solltest
Ein gutes Bewerbungsschreiben überzeugt mit Persönlichkeit, konkreten Beispielen und einer klaren Argumentationslinie. Da rund zwei Drittel der Schweizer Stellensuchenden ihre Unterlagen mit KI verfassen, fallen authentische, gut strukturierte Anschreiben heute mehr auf, nicht weniger. Wer Bezug zum Unternehmen herstellt, mit Konnektoren logisch argumentiert und Floskeln vermeidet, bleibt bei Recruiter:innen im Gedächtnis.
Bewerbungsschreiben sind nicht aus der Mode. Sie sind anspruchsvoller geworden. Laut der AMOSA-Studie „KI in Jobsuche und Recruiting“ vom April 2026 setzen 65 Prozent der Stellensuchenden in der Schweiz künstliche Intelligenz für ihre Bewerbung ein. Bei Stellensuchenden mit Tertiärabschluss sind es sogar 83 Prozent. Die Folge: Anschreiben ähneln sich heute stark. Viele Recruiter:innen erkennen den KI-Ton sofort.
Genau hier liegt deine Chance. Wenn die Mehrheit denselben glatten Einheitston abgibt, sticht dein Anschreiben heraus, sobald es nach dir klingt und nicht nach einem Sprachmodell. Hier findest du fünf Dinge, die in dein Bewerbungsschreiben gehören, und fünf, die du sofort streichen solltest.
Diese 5 Dinge gehören rein
1. Bezug zum Unternehmen, und zwar konkret
Zeig, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast. Nicht mit der „Über uns“-Seite, sondern mit etwas Konkretem: einem neuen Produkt, einer Branchenposition, einem Wert, der dir wichtig ist. Wer nur den Firmennamen austauscht, fällt im negativen Sinn auf.
Statt: „Ich interessiere mich für Ihr Unternehmen.“
Besser: „Ich verfolge seit zwei Jahren, wie ihr eure Kreislaufwirtschaft im Bereich Verpackung umbaut. Genau da will ich mitarbeiten.“
2. Persönlichkeit mit Beweisen, nicht mit Adjektiven
Schreib nicht, dass du teamfähig, motiviert oder kommunikationsstark bist. Das schreibt jede:r. Erzähl stattdessen kurz, wann du es bewiesen hast. Eine konkrete Situation in zwei Sätzen sagt mehr als zehn Adjektive.
Statt: „Ich bin sehr durchsetzungsstark.“
Besser: „In meinem letzten Praktikum habe ich ein Projekt übernommen, das seit Monaten stillstand, und es in sechs Wochen zur Ergebnispräsentation gebracht.“
3. Ein klares Ziel, nicht nur eine Bewerbung
Sag, was du im neuen Job konkret erreichen willst. Ein Satz reicht. Das zeigt, dass du nach vorne denkst und nicht irgendeinen Job suchst.
Beispiel: „Mein Ziel in den ersten zwölf Monaten ist es, eure interne Kommunikation auf eine klare, plattformübergreifende Struktur zu bringen.“
4. Logische Sprünge mit Konnektoren
Konnektoren sind die kleinen Wörter, die deine Argumentation zusammenhalten: weil, dadurch, trotzdem, sodass. Sie machen den Unterschied zwischen einem Anschreiben, das sich liest, und einem, das sich aneinanderreiht. KI-Texte greifen oft zu denselben drei oder vier Konnektoren. Wenn du bewusst wählst, klingt dein Text sofort menschlicher.
| Kategorie | Konnektoren |
|---|---|
| Temporal | während, solange, als, wenn, sobald, nachdem, seit, bis, bevor, ehe |
| Kausal | weil, da, denn, nämlich, deshalb, daher, deswegen, darum |
| Modal | indem, dadurch dass, ohne dass, anstatt dass, wie, als ob, je nachdem |
| Konsekutiv | infolgedessen, folglich, demzufolge, also, deshalb, sodass |
| Konzessiv | obwohl, obgleich, wenn auch, trotzdem, dennoch, allerdings |
| Adversativ | jedoch, dagegen, demgegenüber, während, wohingegen, nicht … sondern |
| Final | damit, um … zu, dazu, dafür |
| Konditional | wenn, falls, sofern, im Falle, vorausgesetzt, sonst, andernfalls |
So sieht der Unterschied im Satz aus:
Ohne Konnektoren: „Ich war drei Jahre in der Verwaltung. Ich habe Prozesse digitalisiert. Das Team arbeitet jetzt effizienter.“
Mit Konnektoren: „Während meiner drei Jahre in der Verwaltung habe ich Prozesse digitalisiert, sodass das Team monatlich rund zwölf Stunden Arbeit einspart.“
5. Drei Absätze, drei Aufgaben
Ein Bewerbungsschreiben braucht keine fünf Absätze. Es braucht drei mit klarer Aufgabe. Absatz eins zeigt deinen Bezug zur Firma. Absatz zwei belegt deine Eignung mit ein bis zwei konkreten Beispielen. Absatz drei nennt dein Ziel und schliesst mit einer aktiven Handlungsaufforderung. Diese Struktur trägt jede Bewerbung, von der Lehrstelle bis zur Führungsposition.
Statt: Ein langer Fliesstext, in dem Motivation, Erfahrung und Ziel ineinander übergehen und sich verlieren.
Besser: Drei Absätze mit Atempausen dazwischen. Recruiter:innen scannen am Bildschirm, jede klare Struktur hilft dir.
der Schweizer Unternehmen geben an, KI-generierte Bewerbungen an formalen oder sprachlichen Merkmalen zu erkennen.
Quelle: AMOSA-Studie „KI in Jobsuche und Recruiting“, April 2026
Diese 5 Dinge fliegen raus
1. Den rohen KI-Text einreichen
Wenn du ChatGPT „Schreib mir ein Anschreiben“ befiehlst und das Ergebnis kopierst, landest du im Stapel der austauschbaren Bewerbungen. Nutze KI als Werkzeug für Struktur und Grammatik. Deine Inhalte schreibst du selbst, mit deinen Worten und deinen Beispielen.
2. Floskeln und weiche Schlusssätze
„Hands-on-Mentalität“, „datengetriebene Lösungsansätze“, „ausgeprägte Teamfähigkeit“: Diese Sätze sagen nichts und stammen meistens direkt aus einem KI-Entwurf. Ersetze sie durch eine konkrete Situation. „Ich habe drei Monate lang das Reporting für unser Team neu aufgebaut“ ist mehr wert als zehn Schlagworte.
Das gleiche gilt für den Schlusssatz. „Ich würde mich freuen“ schwächt deine Bewerbung ab. „Im Gespräch zeige ich dir, wie das konkret aussehen kann“ ist aktiv, selbstbewusst und konkret. Vermeide den Konjunktiv im letzten Satz, der bleibt am stärksten in Erinnerung.
3. Anschreiben und CV als zwei separate Dateien
Wer dein Anschreiben als separate Datei hochlädt, riskiert dass die Recruiter:in es gar nicht öffnet. Sie schaut zuerst auf den Lebenslauf. Passt der nicht, ist Schluss. Erstelle ein einziges PDF mit Deckblatt, Anschreiben und Lebenslauf in dieser Reihenfolge. So scrollt die lesende Person zumindest über dein Schreiben, um zum CV zu gelangen. Diese paar Sekunden können entscheidend sein.
4. Aussagen ohne Bezug zur Stelle
„Ich arbeite gerne im Team“ ist eine leere Aussage, wenn sie nicht zur ausgeschriebenen Stelle führt. Frag dich bei jedem Satz: Wofür braucht die ausschreibende Firma diese Information? Was im Inserat erklärt, warum gerade dieser Punkt wichtig ist? Wer den Bezug nicht herstellt, klingt austauschbar.
5. Falsche Namen und Rechtschreibfehler
Die persönliche Anrede ist Standard geworden: Laut der Studie BEST RECRUITERS 2025/26 enthalten 90 Prozent der Schweizer Absageschreiben eine persönliche Anrede. Wenn die Firma es kann, kannst du es auch. Recherchiere den Namen der zuständigen Person, prüfe die Schreibweise, lies dein Anschreiben mit Abstand nochmals laut. Rechtschreibfehler und falsche Namen sind der absolute Klassiker unter den No-Gos. Es ist der einzige Fehler, den du komplett vermeiden kannst.
Was wirklich hängen bleibt
Wenn Recruiter:innen täglich Dutzende Anschreiben lesen und über die Hälfte davon nach KI klingt, bleibt eines hängen: der konkrete Mensch hinter der Bewerbung. Eine Situation, die du wirklich erlebt hast. Ein Ziel, das du wirklich verfolgst. Ein Satz, der nur von dir stammen kann.
Die Tipps und No-Gos in diesem Artikel haben einen gemeinsamen Nenner: Sie alle helfen dir, im Anschreiben präsent zu sein. Nicht als die perfekte Kandidatur, sondern als die Person, die diesen Job will und weiss warum.
„Momentan verschafft KI noch keine Jobs. Sie ist aber ein Türöffner.“
Miriam Hofstetter, Studienautorin AMOSA
Schreib das Anschreiben, das nur du schreiben kannst. Den Rest erledigt deine Bewerbung dann fast von selbst.
Häufige Fragen zum Bewerbungsschreiben
Der Text dieses Artikels und das begleitende Bild wurden mit Unterstützung von KI erstellt.